Neues alphabet, neue kultur, neue schrift - ein Tagebuch meines Arabischkurses!

 LARA

 

Wer von euch kann arabisch sprechen? Ganz ehrlich, die arabische Sprache übt einfach eine gewisse Begeisterung und Faszination auf mich aus! Ich habe einen Intensivkurs speziell für Anfänger ohne Vorkenntnisse besucht und dabei ein Tagebuch geführt. Möchtet ihr wissen, ob ich nun tatsächlich etwas sagen oder gar schreiben kann? Dann taucht ein in diesen kulturellen Artikel über meine Erfahrungen.



 

Dienstag, 18.04.2017

 

Zugegeben, ich bin etwas nervös gewesen. Was erwartet mich in einem arabischen Sprachkurs für Anfänger? Bin ich überhaupt in der Lage, etwas von dieser schwierigen Sprache zu erlernen?

 

Es ist der erste Tag meines Sprachkurses. Motiviert betrete ich den Kursraum und ich lerne meine Mitschüler für diese Woche kennen. Mich hat es wirklich interessiert, welche „Lern – Motive“ die anderen Kursteilnehmer haben. Ehrenamtler in der Flüchtlingsarbeit, Interesse und Faszination an Kultur und Sprache, arabische Familie – der Kurs wirkt sehr sympathisch und ich freue mich auf diese spannende Erfahrung. Der Kursleiter, ein gebürtiger Marokkaner, wohnt seit vielen Jahren in Deutschland und hat unter anderem auch Germanistik studiert. Mit seiner Empathie und voller Begeisterung startet er mit einer kurzen Präsentation über Basiswissen der arabischen Sprache.

 

Hier einige grundlegenden Informationen:

 

  • in 22 Ländern wird arabisch gesprochen

  • es gibt insgesamt 28 Buchstaben

  • im Arabischen gibt es nur drei Vokale

  • ungefähr 400 Millionen Menschen weltweit sprechen arabisch

 

 

 

Nach dieser Einführung in die „arabische Welt“ geht es dann auch schon los.

 

Beginnend mit Kapitel 1 (Die arabische Begrüßung) lernen wir einfache Redewendungen:

 

  • marḥaba : „Guten Tag!“

  • maʿa s-salamah : „Auf Wiedersehen!“

  • naʿam : Ja

  • lā : Nein

 

Das sind nur ein paar Beispiele meiner ersten arabischen Wörter. Mutig und mit leichter Anspannung wagen wir uns an erste Dialoge und einfache Konversationen.

 

Mein Fazit von heute? „Von Null auf Zwei – aller Anfang ist schwer!“ Erst jetzt ist mir die Komplexität bewusst geworden. Ausnahmen, Regeln und Zeichen – ein wenig stolz bin ich schon, denn der erste Tag hat mir sehr gut gefallen und ich kann einige erste Sätze formulieren. Morgen beginnen wir dann mit dem arabischen Alphabet. :-)

 

 

 

 

MITTWOCH, 19.04.2017

 

Der zweite Tag meines Chrashkurses hat begonnen und wir starten direkt mit einem Dialog in den Unterricht. Ich kann mich jetzt schon richtig vorstellen und eine kleine Konversation aufbauen. Alle Kursteilnehmer sind noch sehr unsicher, allerdings sind wir davon überzeugt, dass wir alleine am ersten Tag schon viel gelernt haben. Heute steht auf dem Plan der drei Unterrichtsstunden: „Wir lernen einen Teil des arabischen Alphabets.“ Ich habe heute die ersten sieben Buchstaben, bzw. für uns Europäer „Hieroglyphen“ :-), aufgeschrieben. Das ist wirklich nicht einfach! Von jedem Buchstaben gibt es drei Versionen. Der Buchstabe am Anfang, in der Mitte und am Ende des Wortes. Was heißt das für mich? Da es 28 Buchstaben im Arabischen gibt, macht das folgende Rechnung: 28x3=84 – es gibt also insgesamt 84 unterschiedliche Zeichen. Auch wenn das jetzt alles unglaublich klingt, bin ich sehr überrascht gewesen, dass ich das Grundprinzip verstanden habe. Jeder einzelne Buchstabe muss nochmal speziell „vokalisiert“ werden, damit man ein Wort bilden kann. Ein kleiner Punkt, ein kurzer Strich, ein Haken am Ende und das Wort hat eine komplett neue Bedeutung. Unglaublich, aber wahr! :-) Nach zwei Stunden voller Zeichenversuchen, widmen wir uns dann noch einem anderen Thema. Wisst ihr welchen Ursprung unsere Zahlenschreibweise im europäischen Raum hat? Die Antwort lautet: Unsere Zahlen haben arabischen Ursprung und die Entstehung ist sehr interessant: Schaut man sich eine „1“ an, dann hat diese Zahl genau einen Winkel. Die „2“ hat zwei Winkel, die „3“ hat drei Winkel und so weiter. Die Araber haben damals also die Winkel gezählt und somit unsere heutige Zahlenschreibweise entwickelt.

 

So....- ich muss jetzt noch ein paar Formulierungen für den morgigen Dialog auswendig lernen.

 

 

 

DONNERSTAG, 20.04.2017

 

Meine Liste vom arabischen Alphabet füllt sich langsam aber sicher und ich verstehe die Schreibweise und Aussprache der einzelnen Buchstaben und Vokalen nun immer mehr. Häufig – und das macht es nicht gerade einfacher :-) - gibt es gar keine direkte deutsche Übersetzungen, denn viele der Buchstaben sind nicht mit dem deutschen Alphabet gleich zusetzten. Ich erkenne aber bereits einige bekannte Strukturen wieder und stelle fest, dass mich die arabische Sprache wirklich begeistert! Wusstet ihr schon, dass das Wort „sein“ im Arabischen in der Gegenwart nicht existiert? Es klingt für uns wirklich unvorstellbar, aber es ist tatsächlich so. Nach dem Alphabet, spielen wir einige Konversationen und Dialoge durch und widmen uns dann den arabischen Bezeichnungen für Jahreszeiten und Wochentage.

 

In der „arabischen Welt“ ist der Sonntag der erste Tag in der Woche und deshalb hat seine arabische Bezeichnung große Ähnlichkeit zu der wörtlichen Schreibweise der Zahl eins.

 

Es trägt zur allgemeinen Entspannung bei, dass wir uns nach 2 ½ Stunden kulturellen Aspekten widmen und der Rechtschreibung, Grammatik und Aussprache erst einmal den Rücken zukehren.

 

Unser Kursleiter beginnt einige typische kulturelle Feste zu erläutern. Das häufig unter dem Begriff „Zuckerfest“ bekannte Ereignis, welches man mit lateinischen Buchstaben so schreiben würde: Eid Al Fitr“, stellt eine ganz besondere Tradition dar und beinhaltet viele verschiedene Bräuche. Auch das Opferfest „Eid Al Adha“ ist ein bedeutsamer Teil der arabischen Kultur und hat insgesamt einen sehr hohen Stellenwert. Morgen beginnt der letzte Tag meines Kurses und ich bin schon etwas überrascht, wie schnell sich die Woche dem Ende neigt. Für Morgen heißt es nochmal VOLLE KONZENTRATION, denn wir lernen, wie man auf arabisch über die Uhrzeit spricht.

 

 

 

FREITAG, 21.04.2017

 

Und ein letztes Mal heißt es beim Betreten des Raumes „Sabah Al cheir!“ (Guten Morgen!). Wir starten die letzten drei Stunden dieser arabischen Woche mit der Uhrzeit. Die Uhrzeit auf einer anderen Sprache zu nennen? Das ist wirklich immer eine Herausforderung! Im Arabischen muss man auch hier einige Redewendungen drauf haben um für sein Gegenüber verständlich zu sein. Danach widmen wir uns dann meinem Lieblingsthema! Wir vervollständigen das Alphabet mit den letzten 14 fehlenden Buchstaben. Ich merke, dass einige Buchstaben sehr schwierig zu zeichnen sind und andere wiederum gar nicht so komplex sind. Schon die ganze Woche habe ich mich gefragt, ob man als Araber eigentlich auch eine „Schönschrift“ haben kann? Kann man, so unser Kursleiter. So wie man bei uns auch sagt „Du hast aber eine schöne Schrift“, kann man also auch die Schreibweise eines Arabers bewerten (oder eben auch nicht :-) ). Normalerweise kann man sich in einer Fremdsprache eigentlich ja immer irgendetwas herleiten, aber nicht im Arabischen – da muss ich euch die Hoffnung leider nehmen. Als wir unser erster Verb gemeinsam konjugieren, suche ich nach einem Ansatz, einer Regel, einem Anhaltspunkt und muss euch leider sagen, dass ich nicht so richtig fündig geworden bin. Na ja, mein Ziel ist es ja auch nicht Arabisch perfekt zu sprechen, aber dennoch bin ich rückblickend mehr als zufrieden mit meiner Erfahrung. Ich habe einen fantastischen Einblick in Kultur, Sprache und Schreibweise bekommen und dafür, dass ich am Anfang wirklich gar nichts wusste, habe ich eindeutig vieles gelernt. Gerne möchte ich nochmal einen ähnlichen Kurs machen und wer weiß, vielleicht kann ich ja irgendwann mal mit einem kleinen arabischen Dialog glänzen!

 

 

 

Eure Lara

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Sebastian (Sonntag, 23 April 2017 12:10)

    Ich lerne im Moment Russisch! :-) Fremdsprachen werden immer öfter gefordert und da reicht Englisch häufig nicht aus.