INTERVIEW: Die Zeit nach der Schule aus drei verschiedenen Perspektiven

FABIENNE

 

Und, was ist dein nächster Schritt? - Eine Frage, die in den meisten Menschen Panik aufkommen lässt. Es gibt viele "nächste Schritte". Der erste "nächste" bildungstechnische Schritt ist für mich der Wechsel auf die weiterführende Schule. Ich weiß nicht, ob ich meinen Weg genauso gegangen wäre, hätte ich damals eine andere Schulwahl getroffen.

Ein noch größerer "nächster" Schritt sind dann das Abitur beziehungsweise die mittlere Reife. Was uns DANACH bevorsteht, sind zahlreiche Überlegungen, was man mit seiner Zukunft anstellen möchte. Studieren oder doch lieber eine Ausbildung beginnen? Ein Jahr Pause nach dem Abi oder direkt durchstarten? Ist ein Auslandsjahr wirklich nötig für meine Weiterbildung?

 

Nicht nur ich werde euch diese Fragen beantworten. In diesem Artikel erfahrt ihr auch die Meinungen zweier Jungen, die ihr Studium nicht direkt nach dem Abitur begonnen haben. Viel Spaß beim Lesen! 

Lieber ein Studium oder eine Ausbildung nach dem Abitur beginnen?

 

Fabienne: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Für mich stand ein Studium schon immer fest. - An eine Ausbildung war nicht zu denken. Kaum hatte ich mein Studium begonnen, kamen erste Zweifel bezüglich meiner Wahl. Mir wurde häufig geraten, erst eine Ausbildung zu absolvieren, da ich so nicht nur Bafög für mein Studium erhalten könnte, sondern auch vor Studiumsbeginn schon mal ein wenig mehr Geld in der Tasche hatte.

Ich ließ diesbezüglich alle Vorsicht fahren und startete mein Studium. Da ich meinen Bachelor recht zügig studieren möchte, kommt für mich ein Job mit mehr als einem Arbeitstag pro Woche derzeit nicht in Frage. Dies erschwert natürlich meine finanzielle Situation, anders machen, als momentan, würde ich aber trotzdem nichts!

 

Marian: Der Vorteil an einer Ausbildung ist natürlich der direkte Verdienst, für mich kam allerdings nur ein Studium in Frage. Das Wissen, welches man sich während seines Studiums aneignet, ist für mich viel mehr Wert, als der frühe Verdienst. Auch ich muss mich daher finanziell stark einschränken. Es kommt ebenfalls hinzu, dass meine Fächer Germanistik und Philosophie nicht durch eine Ausbilung erlernt werden können. Da ich den Beruf des Gymnasiallehrers anstrebe, muss ich so oder so studieren. Warum dann nicht gleich?

 

Pablo: Meiner Meinung nach ist es vollkommen unwichtig, was von beiden der letztendliche Weg ist. Mit beiden Wegen kann am Ende genügend Geld verdient werden und auch der Spaß bleibt nicht aus. So muss jeder Mensch selbst entscheiden, was der beste Weg für ihn ist. Besser, man probiert das ein oder andere aus und bildet sich so ein Urteil darüber, was idealer ist. Äußere Einflüsse und Vorurteile anderer sollten nicht so eine starke Wirkung auf die eigene Meinung haben.

Ich selbst möchte gerne in diesem Jahr mein Philosophie-Studium in den Niederlanden beginnen.

 

Lieber direkt das Studium beginnen oder ein Jahr auf andere Gedanken kommen?

 

Fabienne: Nach den letzten Abiturprüfungen hat man erst einmal Wochen Zeit, in den Urlaub zu fahren und sich zu entspannen. Daher kam ich recht schnell auf andere Gedanken. Es ist für Abiturienten ohne Studiums- oder Ausbildungspläne sicherlich von Vorteil, ein Jahr lang mithilfe von Praktika oder Minijobs einen Einblick in die potenzielle Berufswelt zu erhalten. Ich hatte das Glück, schon während der Schulzeit ein paar Mal Uniluft zu schnuppern und hatte daher keine anderen Wünsche oder Pläne. Ein Jahr zu pausieren kam für mich nicht in Frage!

 

Marian: Unmittelbar nach meinem Abitur hatte ich keine rechte Idee, welche Richtung ich beruflich einschlagen könnte. Daher entschied ich mich für ein freiwilliges soziales Jahr in einem Turnverein. Ich machte meinen Übungsleiterschein, unterrichtete Kinderturngruppen und hielt Bereitschaft im Fitnessstudio. Nach diesem Jahr wusste ich zwar, dass dies kein Beruf von Dauer für mich werden könnte, ich hatte aber Erfahrungen in einer 40-Stunden-Woche gesammelt und freute mich umso mehr auf mein Studium. Dort ergaben sich dann noch ein paar Komplikationen aufgrund meiner Fächerwahl. Zuerst hatte ich den Kombi-Bachelor in Germanistik und Erziehungswissenschaft angestrebt, erhielt allerdings nur einen Platz für Germanistik und schrieb mich "notgedrungen" in das Fach Philosophie ein. Dieser Schritt entpuppte sich nachher als das Beste, was mir hätte passieren können!

Ich würde unentschlossenen Abiturienten raten, ein FSJ zu machen, um sich in dieser Zeit Gedanken über die weitere Zukunft zu machen. Hätte ich unmittelbar nach meinem Abitur Pläne gehabt, hätte ich aber wahrscheinlich direkt studiert.

 

Pablo: Eine Zeit, wie nach dem Abitur hat man in seinem Leben wahrscheinlich nie wieder. Dies sollte man ausnutzen, um sich auf neue Dinge einzulassen. Ich habe mich für eine Pause entschieden, in der ich zum Teil gearbeitet und zum Teil im Ausland war. Aus dieser Zeit habe ich unendlich viele Dinge mitgenommen. Zum ersten Mal gilt es, unabhängig zu sein. Diese Zeit kommt im Leben nicht noch einmal!

 

Sollte ich nach der Schule einen Auslandsaufenthalt einplanen?

 

Fabienne: Ich wollte nie für ein gesamtes Jahr ins Ausland. Wahrscheinlich, weil ich mir kein Land eingefallen wäre, welches auf mich so "anziehend" wirkte, dass ich unbedingt länger als ein paar Wochen dort verbringen wollte. Gerade nach meinem Abitur wollte ich schnellstmöglich mein Studium beginnen. Falls ich doch einmal das Bedürfnis nach einer neuen Erfahrung habe, kann ich jederzeit ein Auslandssemester planen. Ich bereue es überhaupt nicht, direkt nach der Schule mit dem Studium begonnen zu haben. So habe ich mir Zeit und Geld gespart, welche ich in mein Studium investieren kann. Als junge Studentin stehen mir viele Wege länger offen, als für einen älteren Studierenden. Der Zukunfts- und Zeitdruck ist somit nicht so stark.

 

Marian: Es kommt ganz auf den Charakter eines jeden an. Mir persönlich hat ein Auslandsaufenthalt nicht gefehlt. Man muss bedenken, dass ein solcher Aufenthalt sehr teuer werden kann. Dies zu finanzieren ist eine große Hürde. Außerdem muss man sich fragen, ob diese Erfahrungen unbedingt notwendig für das zukünftige Berufsleben ist. Studiert man eine Sprache, ist der Auslandsaufenthalt während eines Semesters ohnehin Pflicht.

 

Pablo: In diesem Januar startete ich einen dreimonatigen Auslandsaufenthalt auf Bali. Ich lernte neue Kulturen und Eindrücke kennen und war zum ersten Mal völlig auf mich allein gestellt. Diese Erfahrungen waren sehr wichtig und haben mein Leben geprägt. Ich hatte keinen Druck seitens meiner Familie mehr und konnte nach meinen eigenen Bedürfnissen leben.

Ich brauche die Absicherung, direkt mit dem Studium oder der Ausbildung zu beginnen nicht, da eine solche Phase im Leben nicht zwingend noch mal kommt. Menschen, die nach Sicherheit im Leben suchen, sollten sich aber eventuell vorerst für ein Studium oder eine Ausbildung entscheiden und diese "Phase" später nachholen.

 

Ich hoffe, diese Einblicke konnten euch ein wenig über eure Zukunftsmöglichkeiten aufklären. Generell gilt: "Learning by doing" – die Erfahrungen und Erlebnisse, die ihr sammelt, kann euch niemand mehr nehmen. Selbst, wenn es negative Ereignisse sind, beeinflussen sie euren Lebenslauf sicher positiv.

 

Falls ihr euch noch sehr unsicher bezüglich eurer Zukunft nach der Schule seid, besucht Sonja O'Reilly von #SheDoesFuture auf www.she-does.de! Sie bietet Beratungsgespräche für Mädchen an und steht ihnen bei Fragen rund um die Zukunft nach der Schule mit Rat und Tat zur Seite. Schaut mal bei ihr vorbei – es lohnt sich!

 

 

Eure Fabienne

Kommentar schreiben

Kommentare: 0