Jeder Dritte bricht das Studium ab?! Stellungnahme zu einem Zeitungsartikel der WZ

FABIENNE

 

In der vergangenen Woche wurde ich auf einen Zeitungsartikel der WZ aufmerksam, der darüber informierte, dass nun bald jeder dritte Studierende sein Studium noch vor dem Bachelor abbreche. Es gingen noch weitere Zahlen und Fakten aus dem Bericht hervor, die mich zum Stutzen brachten. Welche das sind und wie ich über den Artikel denke, erfahrt ihr hier! 

Oftmals frage ich mich selbst, ob meine Studienwahl die Richtige ist. Abgesehen vom nie enden wollenden Lernstress und den vollgestopften Stundenplänen beunruhigt mich häufig die berufliche Perspektive meiner Fächerwahl. Sollte man immer den Weg einschlagen, der am interessantesten klingt? Oder sollte man karrieresichere Laufbahnen einschlagen?

 

Diese Fragen stellten sich sicher auch die Studienabbrecher des besagten Zeitungsartikels. Sie kamen – aus welchen Beweggründen auch immer – zum Entschluss, dass ihr bisheriger Weg nicht der Richtige gewesen ist. Ich habe die Zahlen aus dem Artikel für euch in Kreisdiagramme zusammengefasst, sodass ihr euch selbst ein Bild über die Lage machen könnt:

(1) Studienabbrecher in Deutschland (ohne Lehramts-Studierende):

(2) Tätigkeiten der Abbrecher nach einem halben Jahr: 

 


 

 

 

 

 

 

 

(3) Zeitpunkt des Abbruchs:

 

 

 

 

 

(alle Angaben in Prozent)

 

Ich finde es sehr erschreckend, wie viele Studienabbrecher es tatsächlich gibt. Interessant wäre auch, wie hoch die Zahl der Studienwechsler ist und in welche Fächer vermehrt gewechselt wird.

Doch zunächst weitere Infos zum Artikel: Aus diesem geht auch hervor, dass drei Viertel aller AbsolventInnen ehemalige GymnasiastInnen darstellten. Rund 61% aller Abbrecher kämen ebenfalls vom Gymnasium. Andere Wege zum Studium seien weniger erfolgsversprechend und brächten daher eine geringere Zahl an AbsolventInnen hervor. 

 

Zudem wiesen Universitäten weniger AbrecherInnen als Fachhochschulen auf, da sich viele Studierenden hier für "abbruchs-intensive technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge" entschieden. 

 

Mein Fazit: 

Auch das Fach Germanistik bringt im Laufe der Zeit viele AbbrecherInnen mit sich. Dies hat meiner Meinung nach hauptsächlich mit dem immer schwerer werdenden Stoff zu tun. Außerdem steigt der Leistungsdruck, da keine Sitzscheine mehr ausgehändigt werden. Ob Vorlesung, Seminar oder Tutorium - für alle Veranstaltungen müssen die Leistungspunkte mithilfe von Prüfungen, Referaten, Protokollen, Portfolios oder ähnlichem erlangt werden.

Dass man als durchschnittlicher Student die Regelstudienzeit abhaken kann, hängt auch damit zusammen. Die Zeit zum Lernen wird knapper, der Stundenplan voller. Besteht man eine Prüfung nicht, kann unter Umständen erst nach dem Bestehen der Klausur in den höheren Modulen weiterstudiert werden. 

 

Auch die Aussichten bestimmter Fächerkombinationen auf dem Arbeitsmarkt sind nicht gerade erfreuend. Viele Studierende möchten ihre Zukunft als abgesichert wissen und entscheiden sich daher für verbeamtete Berufe, anstatt für Richtungen, die ihnen wirklich am Herzen liegen. 

So bemerken einige Studierende auch erst während ihres Studiums die Unsicherheit ihres beruflichen Werdegangs und rudern schnell zurück, indem sie sich für eine Ausbildung entscheiden. 

 

Meiner Meinung nach ist auch der finanzielle Aspekt ausschlaggebend. Zum Einen ist es wirklich hart zu sehen, wie spät man erst "viel" Geld verdienen kann. Man hat den Wunsch nach der ersten eigenen Wohnung, dem eigenen Auto und einem gerechten Maß an Lebensqualität. Möchte man möglichst Regelstudienzeit-nah studieren, fällt die Möglichkeit nach größeren Jobs während des Semesters flach. Viele Studierende - und darunter möchte ich mich einschließen - benötigen mindestens 75% ihrer freien Zeit zum Lernen und Nachbereiten. Nebenher noch regelmäßig in der Woche zu arbeiten ist nahezu unmöglich. Fällt der Blick dann auf die Azubis, die schon im ersten Jahr bares Geld in den Händen halten, wird die Sehnsucht nach Arbeit, die mit Geld belohnt wird, groß. Die Idee, das Studium hinzuschmeißen und mit einer Ausbildung zu beginnen, wächst. 

Zum Anderen ist auch die Finanzierung des Studiums ein Kraftakt. Jetzt, wo es in den Sternen steht, ob nicht doch wieder die Studiengebühren eingeführt werden, überlegen sich mit Sicherheit einige AbiturientInnen noch einmal ganz genau, ob es sich wirklich lohnt, zu studieren, oder ob eine Ausbildung nicht doch eine schöne Alternative ist. 

Auch bereits Studierende stehen vor der Frage, wie weit sie noch studieren möchten. Vermutlich wird der finanzielle Aspekt als Grund für den Studienabbruch in den nächsten Jahren immer mehr ins Zentrum rücken.

 

Ich weiß noch nicht genau, ob ich die Praxis in meinem Studium vermisse. Wahrscheinlich kann ich das erst später beurteilen. Ich habe mich allerdings vermehrt mit Studierenden aus höheren Semestern unterhalten, die sich ausnahmslos mehr Praxis wünschten. 

 

Ob für ihr persönlich für ein Studium geeignet seid, erfahrt ihr meiner Meinung nach am besten, indem ihr studiert. Zwar steuere ich so dem Ausgang der Studie immer weiter zu, da sich die Zahl der exmatrikulierten (ausgeschriebenen) Studierenden so nicht verringern wird, allerdings ist diese Vorgehensweise für mich die beste Möglichkeit, die persönliche Eignung herauszufinden. "Learning-by-doing" war doch immer schon ein bewehrtes Konzept, sich selbst zu finden. 

 

Wisst ihr eventuell noch gar nicht, welche Richtung ihr beruflich gehen wollt? Könnt ihr euch zwischen den zahlreichen Angeboten für den Weg nach der Schule nicht entscheiden? Dann lasst euch gerne von Sonja O'Reilly von #SheDoesFuture beraten. Sie hilft euch gerne, euren persönlichen Weg zu finden!

 

Eure Fabienne

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