Der Kombi-BA - Wie mir der Studiengang Germanistik im ersten und zweiten Semester gefällt

FABIENNE

 

"Brotlose Kunst!" "Was willst du denn mit Germanistik, außer Lehrer zu werden?" "Du bekommst nie eine Stelle!"

Solche Aussagen erhalte ich, sobald ich meinen Studiengang erwähne, zuhauf . Ja, mir ist bewusst, dass die Germanistik-Erziehungswissenschafts-Kombination im Bachelor sicherlich nicht der "Mercedes" unter den Wahlmöglichkeiten ist, aber geht es nicht eigentlich darum, zu studieren, was man liebt? 

Warum ich mich für meinen Studiengang entschieden habe und was euch in den ersten beiden Semestern im Fach Germanistik erwartet, erfahrt ihr hier!

In der Schule mochte ich das Fach Deutsch schon immer. Es stellten sich mir keinerlei Komplikationen beim Lernen und das Lesen und Schreiben von Texten bereitete mir immer eine große Freude. 

Da ich ein Kombinations-Fach (Kombi-B.A.) für meinen lang ersehnten Erziehungswissenschafts-Studiengang benötigte, entschied ich mich daher für das Fach Germanistik.. 

Ich musste schnell feststellen, dass man als ehemaliger Deutsch-LK-Schüler nicht die geringste Ahnung davon hat, was das Studium der Germanistik so mit sich bringt, wenn es erst einmal begonnen hat. 

 

Vom ersten Tag an ist es sehr lern-intensiv. Als hoch motivierter Ersti versucht man zunächst, allen Lektürehinweisen nachzugehen, die in den Vorlesungen oder Seminaren angegeben werden. Man stellt jedoch sehr schnell fest, dass diese Arbeitshaltung zu einem Ding der Unmöglichkeit wird. Es ist ja nicht nur das eine Seminar, das nach Arbeit ruft. Zu jedem Seminar gibt es die passende Vorlesung. Auch diese schreit nach danach, nachgearbeitet und ausreichend vorbeireitet zu werden. 

 

Das erste Semester besteht aus dem kompletten Modul 1 und der Hälfte des zweiten Moduls, zwei der insgesamt drei Basismodule, die vor dem Beginn der Aufbaumodule zu absolvieren sind. Die Einführung in die Literaturwissenschaft mit der dazu passenden Literaturgeschichts-Vorlesung bereitete mir keine Schwierigkeiten. Größtenteils ging es um die Wiederholung der wichtigsten Literaturepochen und der Einführung in die Bereiche der E Lyrik, Epik, Edition und Dramatik.

Die zu bestehende Modulabschlussprüfung (MAP) war mit vergleichsweise geringem Lernaufwand zu bewältigen. 

 

Modul Zwei bereitete mir von Beginn an weniger Freude und mehr Lernintensität. Mit dem Proseminar "Basiswissen Grammatik" startete ich im ersten Semester in die Welt der Sprachwissenschaft. Es ist hier sicherlich ein Vorteil, bereits gute Grammatik-Kenntnisse und eventuell auch lateinisches Vorwissen zu haben. Hat man dies nicht, steht einem eine lange, quälende Lernzeit bevor. 

Erst, wenn dieser Teil des Moduls bestanden ist, kann der zweite Teil besucht werden: Die Einführung in die Sprachwissenschaft. 

Euch die gesamten Inhalte des Seminars aufzulisten, srpengt den Rahmen meines Artikels, da dieses, zeit- und arbeitsintensive Seminar viele Themen beinhaltet.

Mit vier Semesterwochenstunden (SWS), also zwei Terminen pro Woche, tritt die erste Abweichung zum vorherigen Seminar auf. Für die bestandene MAP gibt es acht Leistungspunkte (LP). Dies ist eine sehr hohe Anzahl an Punkten. Da 30 Arbeits- beziehungsweise Lernstunden mit einem Leistungspunkt bewertet werden, rechnet man mit bis zu 12 Lernstunden pro Woche. Hinzu kommen natürlich auch das dritte Modul sowie Module des Zweitfaches. 

 

Nun bleibt die Frage, wie mir das Modul insgesamt gefällt. Mit Blick auf die intensive Vor- und Nachbereitung finde es eher abschreckend. Die Themen erscheinen mir wesentlich schwieriger als die des ersten Moduls. Lernen wird man hier freiwillig, da es sonst unmöglich ist, dem Seminar zu folgen. Trotzdem stellt einem das breite Spektrum des Moduls viele interessante Inhalte, die gerade durch die Wiederholungen und das Lernen zu Hause attraktiver werden. 

 

Modul Drei geht in eine vollkommen andere Richtung. Eine Vorlesung über die Sprachgeschichte mit Schwerpunkt des Mittelhochdeutschen bietet eine allgemeine Übersicht über die Inhalte des zweiten Modulteils: Die Einführung in die ältere deutsche Literatur.

Hier erlernt man in relativ kurzer Zeit die Sprache des Mittelhochdeutschen. Anfänglich mein persönlicher Albtraum. Es ist ziemlich schwer, ein mittelhochdeutsches Gedicht in Neuhochdeutsch zu übersetzen, wenn man keine Kenntnisse darüber hat, den Wortstamm bzw. Stammvokal eines Wortes zu erkennen. Wieder werden grammatische Kenntnisse gebraucht. Wieder wäre es zuvor hilfreich gewesen, Latein zu können. 

Entwickelt man jedoch ein Talent sowie eine gewisse Motivation für das Mittelhochdeutsch, kann das Bestehen der MAP auch mit weniger Aufwand als in Modul Zwei geschehen. 

 

FAZIT: 

Die ersten drei Module, also die Basis des Germanistik-Bachelors, sind von Beginn an lern-intensiv und nur mit grammatischen Vorkenntnissen und einer gewissen Faszination zu bewältigen. Einiges an Hintergrundwissen wird in Tutorien oder Proseminaren wiederholt, anderes bereits vorausgesetzt. Welche Module dem einzelnen Studierenden besser gefallen oder leichter liegen, ist individuell. 

Allgemein ist das zweite Modul für den Großteil meiner Kommilitonen allerdings der schwierigste und lern-intensivste Teil.

Ich möchte Euch mit meinem Artikel keine Angst einjagen oder vom Studium der Germanistik abraten. Dennoch liegt mir am Herzen, Euch ein ehrliches Fazit zu geben. Germanistik ist nicht für jedermann. Ohne viel für die einzelnen Gebiete zu tun, schafft man es mit Sicherheit nicht, den Studiengang mit Bravur zu meistern. 

Klingen die Themen für Euch interessant? Vielleicht besteht Euer Personal Purpose zum Teil aus einem Studium der Germanistik?! Wenn Ihr noch Fragen zum Ablauf des Studiums oder Ähnlichem habt, schreibt sie gerne in die Kommentare. 

 

Eure Fabienne