Der Kombi-BA - Was erwartet Dich im Studiengang 'Erziehungswissenschaft'?

FABIENNE

 

Die Gesellschaft durchlebt einen sich ständig wandelnden und ändernden Prozess. Sie formt uns Menschen von Klein auf und lässt uns in einem bestimmten Verhältnis miteinander leben. Doch wie die Gesellschaft ändern auch wir uns dauerhaft. Wir passen uns an, um in das Muster der Gesellschaft zu passen - wir sozialisieren uns. Was ich daran ändern möchte? Nichts - ich möchte optimieren. Daher verfolge ich durch ein Studium der Erziehungswissenschaft das Ziel, die Gesellschaft individueller zu formen und Bildungsangebote zu perfektionieren. Was mir an den ersten beiden Semestern des Studiums gefällt und wie das Studium aufgebaut ist? Erfahrt es jetzt!

Alles fing mit dem Erziehungswissenschafts-Grundkurs in der zehnten Klasse an. Dort lernte ich das Fach mit all seinen Theorien und gesellschaftlichen Analysen kennen und wählte es anschließend in der elften Klasse als Leistungskurs. 

Man kann den Studiengang "Erziehungswissenschaft" auf der Universität nicht im Geringsten mit dem Schulfach "Erziehungswissenschaften" vergleichen. Es geht hier nicht mehr primär darum, die Welt der Theorien kennen zulernen, sondern mit diesen zu forschen, sie kritisch zu hinterleuchten und im besten Fall auf andere Theorien oder aktuelle gesellschaftliche Probleme anzuwenden. Die Politik rückt hierbei immer stärker ins Zentrum. Warum hat sich die Gesellschaft hinsichtlich der aktuellen Betreuungslage von Kleinkindern geändert? Wie kann man das Smartphone gewinnbringend in den Alltag der Heranwachsenden (und auch der Erwachsenen!) einbauen? Probleme, die wir in unserer Gesellschaft erkennen, werden kritisch durchleuchtet und bewertet. 

 

Auch dieser Studiengang ist in sechs Module bis zur Bachelor-Thesis aufgebaut. Innerhalb der Module (die hier jeweils aus drei Teilen bestehen) herrscht allerdings größere Wahlfreiheit, sofern man einen Seminarplatz im gewünschten Veranstaltung  erhält. 

Es gilt, nach Interesse zu entscheiden. Interessiere ich mich mehr für die Childhood Studies oder möchte ich mehr über die Klassiker der Erziehungswissenschaft erfahren? 

Gerade dieser Punkt gefällt mir außerordentlich gut! Das Studium kann individueller gestaltet werden. 

 

Auch positiv sind die zahlreichen Hilfestellungen, die einem zu Beginn des Studiums gegeben werden. So erteilen Tutoren Schreibkurse für Hausarbeiten, Essays oder Referate. Durch den kleineren Studiengang im Vergleich zu Germanistik herrscht auch unter den Kommilitonen ein besseres Gruppenklima. In neuen Seminaren schaut mit daher nicht zwingend immer in fremde Gesichter. 

 

Die Vermittlungsart der Dozenten unterscheidet sich ebenfalls zum Studiengang der Germanistik. Es gibt weniger "sture" Vorlesungen, vielmehr wird auch hier miteinander kommuniziert und diskutiert. Die Seminarstunden gleichen lockeren Unterrichtsgesprächen mit dem Unterschied, dass man als Studierender ganz anders wahrgenommen wird. Man ist erwachsen, angekommen in der "ernsten" Welt und in erster Linie kein Schüler mehr. 

 

In meinem ersten Semester fiel mir jedoch auch ein negativer Punkt ins Auge. Es ist keine Seltenheit, dass die Veranstaltungen zu Klausuren in einem anderen Semester erteilt werden, als die Klausuren geschrieben werden. Während des Klausur-Lernens fängt man also quasi erstmal wieder bei Null an. Denn ehrlich gesagt, kann mir auch kein Tutorium oder vertiefendes Begleitseminar dabei helfen, die Lerninhalte ein Jahr lang im Kopf zu behalten. 

Auch erweist das Fach viel Eigendisziplin. Die Inhalte der Vorlesungen scheinen unlernbar. Es stellt sich einem schnell die Frage, was denn alles gelernt werden muss. Das "Hundert-Prozent-Lernen" gibt es nicht mehr. Mit viel Lerneifer und Durchhaltevermögen wird aber auch diese Krise überwunden. Da die Themen für Erziehungswissenschafts-Interessierte sehr ansprechend. 

 

Nach (fast) zwei Semestern Erziehungswissenschaft kann ich nach wie vor sagen, dass mich das Fach begeistert und inspiriert. Ich werde immer wieder daran erinnert, was ich in der Welt ändern möchte und wie ich dort hin gelange. 

 

Ihr wisst noch nicht, ob Ihr für das Fach geeignet seid? In dieser Liste habe ich Euch eine Übersicht über die wichtigsten Fähigkeiten, die Ihr im Studium benötigen werdet, zusammengestellt: 

- Durchhaltevermögen: Auch wenn das Thema gerade nicht Euer Liebstes ist, heißt es, es zu studieren. Vielleicht ist das Nächste besser? Vielleicht werdet Ihr doch inspiriert und stoßt auf Meinungen, über die Ihr noch nie nachgedacht habt. 

- Lese-Fieber: Ja - die zu lesenden Texte können sehr lang, alt und schwierig sein! Doch ohne diese zu lesen, eignet Ihr Euch kein Grundwissen an. Ihr bereut es nicht, mal die Klassiker der Erziehungswissenschaft zu lesen! Das wöchentliche Lesen vpn Texten, die auch mal siebzig Seiten lang sein können, darf Euch nicht schwer fallen. 
- Lerneifer: Lernen, Lernen, Lernen! Ich muss mich auch immer wieder zwingen, mich nach dem Nachmittags-Kaffee an den Schreibtisch zu begeben. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und auch hier gilt es, die Theorien und Anliegen der Texte zu lernen und zu verstehen. Texte müssen gelesen, vorbereitet und nachbereitet werden. Dies gilt von der ersten Vorlesung an!
- Interesse: Wenn Euch die Themen der Erziehungswissenschaft und das Anliegen bzw. die Botschaft, die hinter den Theorien steckt, nicht interessiert, seid Ihr eindeutig falsch hier! Es bringt nichts, sich zwanghaft alles anzueignen. Wenn Ihr nicht mit Herzblut hinter dem Studium steht, wählt am besten gleich ein anderes. 

- Ziel: Welches Ziel bezweckt Ihr mit Eurem Studium? Die Erziehungswissenschaft gibt drei zentrale Möglichkeiten vor: Lehramt, Sozialpädagogik oder Gesellschaftsanalyse (Forschung). Das Ziel, welches Ihr Euch am Anfang setzt, motiviert Euch, durchzuhalten und zu lernen. Habt Ihr keines vor Augen, besteht die Gefahr des Studien-Abbruchs. Bevor Euch dieser bevorsteht, entscheidet Euch gleich für ein Fach, dessen Ziele euch vorschweben. 

 

 Ich hoffe, ich konnte Euch einen guten Überblick über den Studiengang der Erziehungswissenschaft geben. Falls Ihr Euch doch eher für ein geisteswissenschaftliches Studium interessiert, lest Euch doch meinen vorherigen Artikel über das Fach Germanistik durch. Vielleicht ist etwas für Euch dabei?

 

Eure Fabienne

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