Das kleine Ersti-Lexikon - Wissenswertes für Studiums-Neulinge

FABIENNE

 

Mit dem Abi-Zeugnis in der Tasche fühlt man sich zunächst unschlagbar! Die Schulzeit liegt zurück und zum ersten Mal in seinem Leben kann man sich für seinen ganz eigenen Weg entscheiden. Ob eine Ausbildung, ein soziales Jahr oder ein Studium begonnen wird - sobald man sich in ein solches, neues Territorium begibt, kommt man sich wieder so klein und verloren vor, wie einst am ersten Schultag. 

Um Euch eine kleine Stütze für die ersten Uni-Wochen zu geben, habe ich ein kleines Lexikon erstellt, in dem ich Begriffe und Regeln der Uni erläutere. So erspart Ihr Euch die ewige Fragerei nach den Bedeutungen von Abkürzungen und werdet gleich vom ersten Tag an zum "Uni-Experten"! :-)

Begleitseminar: Dieses Seminar "begleitet" eine andere Veranstaltung. Es können hier zum Beispiel inhaltlich zur Hauptveranstaltung passende Texte besprochen werden.

 

Blockseminar: Die Veranstaltungstermine eines solchen Seminares erstrecken sich in engen Abständen während eines kurzen Zeitraums. Beispielsweise kann ein Blockseminar an einem Wochenende abgehalten werden. Anders als zum herkömmlichen Seminar finden die Termine also nicht wöchentlich statt.

 

C.t. und s.t.: Eine Veranstaltung, die auf dem Stundenplan um 12 Uhr c.t. (cum tempore) beginnt, fängt eigentlich fünfzehn Minuten später, also um 12:15 Uhr an. Man spricht hier vom berühmten "akademischen Viertel". Steht ein s t.(sine tempore) hinter der Veranstaltung, beginnt sie um 12 Uhr. An meiner Uni werden die Veranstaltungen im Stundenplan ohne s.t. oder c.t. angegeben. Sie beginnen immer eine Viertelstunde später. Ist dies einmal anders, wird explizit darauf hingewiesen. 

 

Fakultät: Ich studiere Fächer der geisteswissenschaftlichen und human-wissenschaftlichen Fakultäten. Fakultäten fassen thematisch zusammenpassende Fächer zusammen. Es sind also Abteilungen, welche die Uni in verschiedene Fachbereiche einteilt. 

 

Kommilitonen: Alle Mit-Studierenden (egal welcher Fakultät) sind Eure Kommilitonen. Man kann die Begrifflichkeit mit der der "Mitschüler" vergleichen.

 

Leistungserbringungen: Anders als in der Schule zählen in der Uni nicht mehr mündliche und schriftliche Noten zum bestehen des Halbjahres. Vielmehr kommt es nicht (immer) auf die Präsenz in der Veranstaltung, sondern die jeweilige Leistungsanforderung an. Diese können Klausuren, mündliche Prüfungen, Referate und anschließende Dokumentationen, Protokolle oder Hausarbeiten sein. Den klassischen Sitz-Schein gibt es kaum noch. 

 

Leistungspunkte: Erbrachte Leitungen werden nicht zwingend mit Noten bewertet. Oft ist eine Prüfung entweder bestanden oder nicht bestanden. Immer werden die Leistungen jedoch mit Leistungspunkten (LP) bewertet. Ein Leistungspunkt wird mit 33 Stunden Arbeitsaufwand bewertet. Je nach Schwierigkeits- bzw. Aufwandsgrad der Veranstaltung kommen dabei entsprechende LP-Anzahlen zustande. Für eine bestandene Leistung erhält der Studierende die jeweiligen Punkte auf seinem Prüfungs-Konto. Um später die Bachelor-Thesis schreiben zu dürfen, muss eine gewisse Anzahl an LP gesammelt werden. Daher besucht man die Veranstaltungen und erbringt die jeweilige Leistung. 

 

Leistungsschein: Bei jeder Prüfung wird euch ein Leistungsschein ausgestellt, welchen Ihr beim Prüfungsamt in Eurer Uni abgeben müsst. Das Prüfungsamt kümmert sich anschließend darum, dass Eure erbrachte Leistung auf Eurem Konto verbucht wird. Teilweise werden die Leistungsscheine von Euren Dozenten ausgefüllt und zum Amt gebracht, häufig ist es aber auch der Fall, dass Ihr die Scheine ausdrucken, halb ausfüllen (Personaldaten etc.) und nach Ausfüllen des Dozenten dem Amt überbringen müsst.

 

Matrikelnummer: Diese Nummer stellt Eure Identität an der Uni dar. Mit ihr meldet Ihr Euch für Klausuren und Veranstaltungen an. Um Euch an der Uni also sozusagen auszuweisen, ist es von enormer Wichtigkeit, dass Ihr Euch Eure Nummer merkt. 

 

Module: In jedem Semester müsst Ihr Euch für Kurse (Vorlesungen/Seminare etc.) anmelden. Diese befinden sich in Modulen, die einen Themenabschnitt Eures Studiengangs zusammenfassen. Das Bachelorstudium umfasst sechs Module, die aus zwei bis drei Modulteilen bestehen. 

 

Orientierungs-Woche: In der O-Woche lernt Ihr die Uni und ihre Fakultäten, Studierende sowie wissenswerte Fakten über das Studium kennen. Tagsüber erhaltet Ihr Informationen über Euer Studium, bekommt Hilfe bei dem Erstellen Eures Stundenplans und lernt die Fachschaft Eures Studiengangs kennen. Dies geschieht auf eine sehr angenehme Art und Weise. Mit Sektfrühstück und Grillabenden wird Euch der Aufenthalt in der Uni zunächst so angenehm wie möglich gestaltet. Am Abend laden die Fachschaften gerne zu Kneipentouren oder Partys ein, um Euch erste Kontakte zu Kommilitonen knüpfen zu lassen. 

 

Ringvorlesung: Diese Form der Vorlesung umfasst eine Reihe verschiedener Dozenten, die sich wöchentlich mit ihren Vorträgen abwechseln. So kann es vorkommen, dass in jeder Veranstaltung ein anderer Dozent vorträgt. 

 

Semester: Das Studienjahr an der Uni ist in zwei Semestern aufgeteilt, dem Sommersemester und dem Wintersemester. Die Semester umfassen jeweils ein halbes Jahr, von dem jeweils ein Viertel aus der sogenannten vorlesungsfreien  Zeit  besteht. 

 

Semesterferien/Vorlesungsfreie Zeit: Während der vorlesungsfreien Zeit werden die meisten Klausuren geschrieben. Die Abgabefristen für Hausarbeiten oder andere Leistungen laufen hier ebenfalls ab. Die Universität sowie ihre Bibliothek hat trotz der Ferien geöffnet. Es steht jedem frei, zur Uni zu gehen und zu lernen. Einzig und allein finden keine Veranstaltungen wie Vorlesungen, Tutorien oder Seminare statt.

 

Semesterwochenstunden: Eine Veranstaltung von 90 Minuten umfasst zwei Semesterwochenstunden (SWS). Je nach Veranstaltung kann die SWS-Anzahl variieren. 

 

Seminar: Ein Seminar ist mit dem Verlauf einer Unterrichtsstunde in der Schule vergleichbar. Die Dozenten führen Diskussionen und Gespräche im Plenum und besprechen zu lesende Texte oder andere Aufgaben mit den Studierenden. Seminare finden in der Regel in Seminarräumen statt. Diese sind entweder wie kleine Hörsäle oder ganz normale "Klassenräume" aufgebaut. 

 

Sitz-Schein: Um die Leistungspunkte auf dem Konto verbucht zu bekommen, reicht es bei einer Veranstaltung mit Sitz-Schein aus, diese zu besuchen, also präsent zu sein. Wie ernst diese Präsenz genommen wird, hängt vom Dozenten ab. Die Vergabe solcher Scheine ist heutzutage leider nicht mehr häufig. 

 

Tutorium: Teilweise ist es schwierig, den Inhalten der Vorlesungen genau folgen zu können. Eine Art Nachhilfe bieten Tutorien. Entweder werden dort die Inhalte der Vorlesungen behandelt oder es wird dazu angeleitet, wissenschaftlich zu arbeiten. Die Tutoren sind ausgewählte Studierende in höheren Semestern. 

 

Vorlesung: Vorlesungen finden in Hörsälen statt. Oftmals betreffen sie viele Studierende, weshalb die Räumlichkeiten teilweise sehr groß sind. Mithilfe von PowerPoint-Präsentationen und Mikrofonen tragen die Dozenten ihre Vorträge und Themeninhalte vor. In der Regel hört man während der 90-Minütigen Veranstaltung still zu und stellt, falls nötig, Fragen. Es kommt selten vor, dass Dozenten Fragen stellen und sich eine Möglichkeit der mündlichen  Beteiligung ergibt. 

 

 

 

Brennende Fragen

Wen sieze und wen duze ich? Generell gilt: Studierende duzen Studierende, Dozenten siezen Studierende, Studierende siezen Dozenten.

Darf ich während der Vorlesung essen und trinken? Etwas zu trinken darf Euch generell nicht verboten werden, das Essen ist nicht gerne gesehen - man muss es ja nicht allzu offensichtlich machen ;-)!

Muss ich meinen Stundenplan als Ersti zum Vorlesungsbeginn fertiggestellt haben? Nein! In der O-Woche erhaltet Ihr zahlreiche Hilfestellungen zur Erstellung Eures Stundenplans. Erst nach dieser Woche müsst Ihr alles fertiggestellt haben. Anschließend beginnen alle Veranstaltungen.

 

Falls Ihr noch weitere Fragen oder euch unerklärlich scheinende Begrifflichkeiten habt, schreibt sie gerne in die Kommentare. In einem weiteren Artikel werde ich diese dann beantworten und das Ersti-Lexikon erweitern. 

 

Eure Fabienne

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