Über die Freiheit im Studium

FABIENNE

 

Endlich Wochenende – endlich frei! Eine Woche kann ziemlich anstrengend aussehen. Mit jedem Tag, der verstreicht, kommt uns das Wochenende einen Schritt näher. Teilweise ist diese Sicht das einzige, was uns motiviert bleiben lässt.

 

Was dem Studentenleben schnell zum Vorwurf gemacht wird, ist die scheinbare grenzenlose Freiheit. Wieso da noch aufs Wochenende freuen – Studierende haben doch eh die ganze Woche nichts zu tun?! Heute gebe ich euch einen Einblick in meine Meinung über die Freiheit im Studentenleben.

Noch nie im Leben hatte man so viel Eigenverantwortung wie im Studium. Doch ob man diese Verantwortung mit Freiheit gleichsetzen kann, ist zu bezweifeln.

Es fängt schon mit der Fächerwahl vor der Bewerbung an einer Universität an. Der Numerus Clausus (NC) schränkt schon zahlreiche AbiturientInnen ein. Möchte man im Kombinatorischen Bachelor studieren, sind nicht alle Fächer beliebig miteinander kombinierbar. Viele Träume zerplatzen also schon vor Beginn des Studiums.

 

Ein weiterer einschränkender Faktor ist der Standort der Universität. Bieten die Universitäten im Umkreis nicht das gewünschte Fach (oder ist schlichtweg der NC zu hoch), sind viele AbiturientInnen gezwungen, von zu hause weg zu ziehen. In erster Linie ist dies keineswegs problematisch – immerhin wünschen sich viele Studierende ihre eigenen vier Wände. Doch ist ein Umzug und das eigenständige Leben mit vielen finanziellen Hürden verbunden. Wer kein BAföG bekommt, dennoch keine, zum Auszug, ausreichenden finanziellen Mittel von seiner Familie aufweisen kann, muss seine Studiumswünsche schnell den lokalen Möglichkeiten anpassen.

Die Plätze in Studentenwohnheimen sind rar und das Pendeln auf Dauer nicht optimal.

 

Hat man es dann an eine Universität geschafft, muss man schnell feststellen, dass man sich sein Studium doch nicht so frei gestalten kann, wie von Eltern oder Bekannten erzählt.

Gerade die ersten beiden Semester beinhalten viele Einführungsveranstaltungen, die erst besucht – und bestanden – werden müssen, bevor weitere, freiere Veranstaltungen belegt werden dürfen. Diese aufbauenden Veranstaltungen behandeln zwar allesamt unterschiedliche Themen, sind also nach Interesse zu wählen, weisen aber dennoch ein Freiheitsproblem auf. Es gibt beispielsweise für ein Gebiet, das belegt werden muss, zehn verschiedene Seminare. Alle beinhalten dieselben Prüfungsanforderungen, behandeln aber unterschiedliche Themengebiete der großen Oberkategorie.

Jede Veranstaltung findet genau einmal pro Woche statt. An diesem Termin liegt jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit schon eine andere Veranstaltung, die man belegen muss. So entscheidet man sich letztendlich, gezwungener Maßen, für eine weniger interessante Veranstaltung, um keine Überschneidungen im Stundenplan zu haben.

 

Ebenfalls einschränkend sind finanzielle Unterstützungen wie BAföG. Diese werden nur solange ausgezählt, wie sich der Studierende in der Regelstudienzeit befindet. In der Regelstudienzeit zu bleiben bedeutet allerdings, möglichst alle Klausuren beim ersten Anlauf zu bestehen und einen immer vollgestopften Stundenplan zu haben. Dies wiederum bedeutet Stress und Druck. Das Studium kann so nicht mehr genossen werden.

 

Ich persönlich finde es besonders schade, dass viele Klausuren geschrieben werden. In meinem Studiengang gibt es keine Sitzscheine mehr. Für jede Veranstaltung, die ich besuche, muss ich am Ende des Semesters eine Studienleistung erbracht haben. Sonst wird mir die Veranstaltung nicht angerechnet.

Hier geht für mich die Forschung während des Studiums verloren. Man konzentriert sich immer mehr auf die Leistung und weniger auf die Inhalte im Studium. Vor den Klausurenphasen setzt das klassische Bulimie-Lernen ein. Hausarbeiten werden hastig zwischen den Klausurterminen geschrieben. Man kann sich weniger auf die einzelnen Arbeiten und Eigenforschungen einlassen.

Dieser Leistungsdruck und die vielen Prüfungsanforderungen einer Uni verleihen ihr nach und nach eine sehr schulische Note.

 

Nach dieser scharfen Kritik möchte ich festhalten, dass ich trotzdem mit Leidenschaft studiere und niemanden raten würde, auf ein Studium zu verzichten.

Für mich bedeutet Freiheit im Studium zu entscheiden, ob man eine Klausur in diesem oder einem anderen Semester schreiben möchte und welche Aufbaumodule welchen Gebietes man zuerst studiert. Auch die Entscheidung, mal länger im Bett liegen zu bleiben und die erste Vorlesung ausfallen zu lassen, ist eine gewisse Freiheit (die nicht zu oft ausgenutzt werden sollte!).

Das Studium bedeutet, einen Schritt weiter im Leben zu sein und ganz alleine zu entscheiden, in welche Richtung das Leben gehen soll. Es ist großartig und meiner Meinung nach auch nicht mehr oder weniger freiheitseinschränend als das spätere Berufsleben.

 

 

Eure Fabienne